Der unbezahlte Pitch: Wie du Eventanlässe fair und günstiger ausschreibst
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Das Wichtigste in Kürze
›Die Event-Trend-Studie Schweiz 2026 mit 203 teilnehmenden Unternehmen zeigt eine wachsende, professionelle Branche, die unter einer teuren Unsitte leidet: dem unbezahlten Pitch.
›Über ein Drittel aller Pitches erfolgt unentgeltlich, bei oft fünfstelligen Kosten. Das betrifft dich als Auftraggeber direkt, weil du am Ende für diese Leerlaufkosten mitbezahlst.
›90 Prozent der Anbieter sind Mikro- und Kleinbetriebe. Wer zu viele Gratis-Konzepte einfordert, verheizt genau die Partner, die er für gute Anlässe braucht.
›Der Pitch ist eine Investition, deine, nicht nur ihre. Ein fairer Briefingprozess senkt deine Kosten und hebt die Qualität der Ideen.
›Am Ende findest du eine Entscheidungsmatrix und eine Checkliste für eine faire, effiziente Ausschreibung.
Inhalt
01Eine wachsende Branche mit teurem Konstruktionsfehler02Warum das dein Problem ist, nicht nur das der Eventagentur03Das Denkmodell: Der Pitch ist eine Investition04Der faire Briefing- und Pitch-Ablauf05Entscheidungsmatrix: Angebote vergleichen & Pitch-Honorar06Die KI-Debatte richtig einordnen07Faire Beschaffung und deine eigene Wirkung08Fragenkatalog für dein Anbietergespräch09Checkliste für eine faire Ausschreibung10FazitWorum es geht: eine wachsende Branche mit einem teuren Konstruktionsfehler
Die Schweizer Live-Kommunikationsbranche hat 2024 ihre eigenen Wachstumsprognosen übertroffen. Das ist keine Behauptung, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Erhebung der vier Verbände Swiss LiveCom Association Expo Event, svtb, Tectum und VSSA, an der 203 Unternehmen teilgenommen haben. Rund die Hälfte der befragten Firmen erzielte 2024 einen Jahresumsatz von über einer Million Franken, bei Stadion- und Arenabetreibern lagen 44 Prozent sogar über fünf Millionen.
Interessant ist, wo dieser Umsatz entsteht: Rund 78 Prozent des Branchenumsatzes werden im physischen Raum erwirtschaftet, vor allem durch Public und Corporate Events. In einer Zeit, in der digitale Reichweite an Wirkung verliert und das Konsumentenvertrauen sinkt, gewinnt die echte Begegnung an Bedeutung. Das ist die gute Nachricht für alle, die auf einen Kongress oder eine Tagung, ein Sommerfest oder eine Produktlancierung setzen: Der Live-Anlass ist kein Auslaufmodell, sondern ein wachsender Kanal.
Die schlechte Nachricht steckt im Kleingedruckten der Studie. Trotz guter Zahlen bleibt ein strukturelles Problem: Über ein Drittel aller Pitches wird weiterhin nicht vergütet, obwohl der Aufwand oft im fünfstelligen Bereich liegt. Genau hier setzt dieser Beitrag an, weil dieses Problem nicht die Agenturen allein lösen können. Es entsteht am Verhandlungstisch, an dem du sitzt.
Warum das dein Problem ist, nicht nur das der Eventagentur
Auf den ersten Blick klingt ein Gratis-Pitch nach einem guten Deal: Du bekommst drei, vier oder fünf ausgearbeitete Konzepte, ohne einen Franken zu bezahlen, und suchst dir das beste aus. In Wahrheit zahlst du dafür, nur eben versteckt und schlecht.
›Niemand arbeitet dauerhaft gratis. Wenn 90 Prozent der Anbieter Mikro- und Kleinbetriebe sind, die einen erheblichen Teil ihrer Kapazität in unbezahlte Pitches stecken, fliessen diese Leerlaufkosten in die Kalkulation der gewonnenen Aufträge. Du bezahlst also die verlorenen Pitches deiner Agentur mit, nur bei einem anderen Projekt.
›Der Gratis-Pitch belohnt die falsche Fähigkeit. Er prämiert die Firma, die am billigsten und schnellsten eine glänzende Präsentation abliefert, nicht zwingend die, die deinen Anlass am besten produziert. Wer viele Gratis-Pitches gewinnen muss, um zu überleben, optimiert auf Show, nicht auf Substanz.
›Du verkleinerst deinen eigenen Anbietermarkt. Die besten und ausgelasteten Anbieter steigen aus unbezahlten Pitches als Erste aus. Wer als Auftraggeber für faire Bedingungen bekannt ist, bekommt bessere Teams, mehr Engagement und ehrlichere Beratung. Genau das brauchst du bei einer heiklen Generalversammlung oder einer Award-Verleihung, bei der am Abend nichts schiefgehen darf.
Zwischenfazit: Der unbezahlte Pitch ist keine Ersparnis, sondern eine Umverteilung deiner Kosten in schlechtere Qualität und ein dünneres Anbieterfeld.
Das Denkmodell: Der Pitch ist eine Investition, deine, nicht nur ihre
Statt den Pitch als kostenlosen Ideen-Wettbewerb zu behandeln, betrachte ihn als das, was er ist: eine gemeinsame Vorinvestition in eine gute Zusammenarbeit. Beide Seiten stecken Zeit und Geld hinein, bevor der eigentliche Auftrag steht. Aus dieser Sicht ergeben sich drei einfache Prinzipien.
Der faire Briefing- und Pitch-Ablauf
So bringst du die drei Prinzipien in eine praktikable Reihenfolge. Dieser Ablauf funktioniert für eine Jubiläumsfeier genauso wie für eine grössere Messe oder Ausstellung.
Deine Entscheidungsmatrix: Angebote fair vergleichen und Pitch-Honorare festlegen
Nicht jede Anfrage braucht ein Honorar. Diese Matrix hilft dir, sauber zu entscheiden, ohne in eine der beiden Fallen zu tappen: zu viel Gratis-Arbeit einfordern oder umgekehrt für jede Bagatelle zahlen. So holst du Offerten mehrerer Anbieter fair ein und vergleichst Angebote sauber, ohne unbezahlte Mehrarbeit zu erzwingen.
| Was du verlangst | Aufwand beim Anbieter | Faire Regel |
|---|---|---|
| Erstgespräch, grobe Idee, Referenzen | Gering (wenige Stunden) | Ohne Honorar vertretbar |
| Grobkonzept, Richtbudget, erste Ideenskizze | Mittel (ein bis zwei Tage) | Ohne Honorar nur bei wenigen, vorselektierten Anbietern |
| Ausgearbeitete Dramaturgie, Renderings, Detailkalkulation | Hoch (mehrere Tage) | Pitch-Honorar setzen |
| Technikkonzept, Locationplanung, konkrete Umsetzungsdetails | Sehr hoch | Honorar plus enge Anbieterzahl |
Ein einfacher Faustwert: Sobald du etwas verlangst, das die Agentur nicht in einem halben Tag aus dem Regal ziehen kann, gehört eine Vergütung auf den Tisch. Das gilt besonders, wenn viel Veranstaltungstechnik oder ein komplexes Gastronomiekonzept im Spiel ist.
Die KI-Debatte richtig einordnen
Die Studie räumt mit einem Klischee auf: Zwei Drittel der Unternehmen setzen bereits Künstliche Intelligenz ein, 31 Prozent sogar regelmässig, bei den Expo-Event-Mitgliedern liegt die Nutzung sogar bei 78 Prozent. svtb-Präsident Jörg Gantenbein bringt die Haltung der Branche auf den Punkt: Man sei weder analog noch rückständig. Die Studie selbst ordnet ein, KI dient als Verstärker, nicht als Ersatz für menschliche Kreativität.
Für dich als Auftraggeber hat das eine konkrete Folge im Pitch. Ein sauber getipptes, gut bebildertes Konzept ist heute schneller erstellt als je zuvor. Die Oberfläche einer Präsentation sagt darum immer weniger über die tatsächliche Umsetzungskompetenz aus. Umso mehr solltest du im Pitch nach dem fragen, was KI nicht liefert: Erfahrung mit heiklen Momenten, Umgang mit dem Wetter, ein realistischer Plan B, echte Referenzen. Bewerte die Substanz dahinter, nicht die Politur.
Was faire Beschaffung mit deiner eigenen Wirkung zu tun hat
Faire Bedingungen sind kein Gutmenschentum, sondern Qualitätssicherung. Wer als Auftraggeber Zeit in ein gutes Briefing steckt und den Aufwand der Anbieter respektiert, bekommt am Ende einen besseren Anlass, und das zeigt sich messbar. Denn ein Event, der handwerklich sauber produziert ist, erzeugt genau die Wirkung, wegen der du überhaupt einen Live-Anlass planst.
Das passt zu einem zweiten Befund der Studie: 80 Prozent der befragten Anbieter wünschen sich konkrete Unterstützung bei Weiterbildung und regulatorischer Orientierung. Die Branche professionalisiert sich also weiter. Als Auftraggeber profitierst du davon am meisten, wenn du diese Professionalität nicht durch Gratis-Wettbewerbe unter Druck setzt, sondern sie einforderst und fair bezahlst. Ob du in einer Eventhalle in Zürich, einem Bankettsaal oder einer Outdoor-Eventlocation planst, gute Partner arbeiten mit dir, nicht gegen dein Budget.
Ein Fragenkatalog für dein nächstes Anbietergespräch
Wenn du die Qualität hinter der Präsentation prüfen willst, helfen dir nicht Hochglanzfolien, sondern gute Fragen. Diese acht bringen dich schnell zum Kern und kosten den Anbieter keine unbezahlte Ausarbeitung.
›Wer aus eurem Team steht am Anlasstag konkret vor Ort und trifft Entscheidungen?
›Nennt mir zwei vergleichbare Anlässe, bei denen etwas schiefging, und wie ihr reagiert habt.
›Was ist euer Plan B bei Hitze, Starkregen oder einem technischen Ausfall?
›Welche drei Posten treiben in diesem Projekt erfahrungsgemäss das Budget?
›Wo würdet ihr bei meinem Budget bewusst sparen, und wo auf keinen Fall?
›Welche Gewerke macht ihr selbst, welche vergebt ihr weiter?
›Wie sieht euer Zeitplan für Auf- und Abbau realistisch aus?
›Was bräuchtet ihr von mir, damit dieser Anlass richtig gut wird?
Wer auf diese Fragen konkret, ehrlich und ohne Ausweichen antwortet, zeigt mehr Kompetenz als jede perfekt gestaltete Folie. Genau diese Art von Gespräch ersetzt einen grossen Teil der teuren Gratis-Ausarbeitung und ist für dich als Auftraggeber der schnellere Weg zur richtigen Wahl. Das gilt für das kleine Meeting im Seminarraum genauso wie für einen Anlass mit hohem Anspruch an Mobiliar und Deko.
Deine Checkliste für eine faire und effiziente Ausschreibung
Diese zehn Fragen fassen die wichtigsten Prüfpunkte zusammen. Sie helfen dir, vor der nächsten Ausschreibung nichts Wesentliches zu übersehen.
| Nr. | Prüffrage |
|---|---|
| 1 | Habe ich intern Ziel, Budget, Termin und Rahmen geklärt, bevor ich anfrage? |
| 2 | Lade ich nur zwei bis vier passende Anbieter ein statt einer grossen Runde? |
| 3 | Ist mein Briefing schriftlich, konkret und für alle gleich? |
| 4 | Habe ich die Bewertungskriterien vorab benannt und offengelegt? |
| 5 | Verlange ich unbezahlt nur Grobkonzepte und honoriere ich alles Tiefergehende? |
| 6 | Gibt es eine gemeinsame Q&A-Runde, damit niemand doppelt rätselt? |
| 7 | Frage ich nach Substanz (Referenzen, Plan B, Wettererfahrung) statt nur nach der Optik? |
| 8 | Gebe ich allen Teilnehmenden eine ehrliche Rückmeldung, auch den Absagen? |
| 9 | Ist mein Zeitplan realistisch, damit niemand über Nacht arbeiten muss? |
| 10 | Würde ich die Bedingungen, die ich stelle, selbst als fair empfinden? |
Fazit
Die Event-Trend-Studie Schweiz 2026 zeichnet das Bild einer wachsenden, professionellen Branche, die überwiegend im physischen Raum ihren Wert schafft. Der grösste Reibungspunkt ist hausgemacht, und er entsteht dort, wo Aufträge vergeben werden. Wer als Schweizer Eventverantwortliche oder Eventverantwortlicher unbezahlte Pitches einfordert, spart nichts, sondern verlagert Kosten in schlechtere Ideen und ein dünneres Anbieterfeld. Umgekehrt ist ein fairer, klar gebriefter und vernünftig honorierter Pitch der günstigste Weg zu einem guten Anlass. Faire Beschaffung ist damit kein Nebenthema, sondern ein Qualitätswerkzeug, das du selbst in der Hand hältst.
JED Events
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Als Eventlocation in Zürich und Schlieren erleben wir beide Seiten des Tisches: Wir planen Anlässe selbst und arbeiten täglich mit Auftraggebern, die einen fairen, effizienten Weg zum passenden Konzept suchen. Wenn du deinen nächsten Firmenanlass, vom Seminar bis zur Firmenweihnachtsfeier, sauber aufsetzen willst, denken wir gerne von Anfang an mit.
Anlass anfragenQuellen und Prüfpfad
Quellenstand: 13. August 2026. Die Links öffnen in einem neuen Tab.
[1]Event-Trend-Studie 2026: Die Schweizer Eventbranche wächst. persoenlich.com, abgerufen am 13. August 2026.
[2]Schweizer LiveCom-Branche wächst und fordert faire Spielregeln. m&k / markt-kom.com, abgerufen am 13. August 2026.
[3]Studie zum Schweizer Veranstaltungs-Sektor zeigt: Event-Branche wächst und setzt auf KI. ch-cultura.ch, abgerufen am 13. August 2026.
[4]Eventtrends 2026: weniger Show, mehr Substanz. JED Events, abgerufen am 13. August 2026.
[5]KI in der Eventplanung: Was ab August 2026 gilt. JED Events, abgerufen am 13. August 2026.