Wie das Limmattal Strahlkraft entwickelt: Stephanie Kiener über Identität, Vernetzung und Events

Das Limmattal ist wirtschaftlich dynamisch und wird dennoch oft unterschätzt. Stephanie Kiener erklärt, wie Vernetzung, Identität und Begegnungsorte wie JED Events die Region stärken.
Porträt von Stephanie Kiener, Geschäftsführerin der Limmatstadt AG

Die Limmatstadt AG versteht sich als Impulsgeberin für eine Region, die ihr gemeinsames Profil noch weiterentwickelt. Nach einer kritischen Standortbestimmung im Jahr 2024 wurde die Organisation neu ausgerichtet. Seither liegt der Fokus darauf, Wirkung nicht nur zu versprechen, sondern konkret sichtbar zu machen.

Im Gespräch erklärt Stephanie Kiener, Geschäftsführerin der Limmatstadt AG, warum regionale Entwicklung weit über klassische Standortförderung hinausgeht und welche Rolle Vernetzung, Events und Orte wie JED Events für die Wahrnehmung des Limmattals spielen.


Liebe Stephanie, für alle, die die Limmatstadt AG noch nicht kennen: Was macht ihr eigentlich genau und wer steckt dahinter?

Die Limmatstadt AG ist die regionale Standortförderung für das Zürcher und Aargauer Limmattal. Unsere Aufgabe ist es, Menschen, Unternehmen, Gemeinden und Institutionen miteinander zu vernetzen und Projekte anzustossen, welche die Region langfristig stärken.

Wir verstehen uns als Brückenbauerin. Viele gute Ideen entstehen bereits in den Gemeinden, in Unternehmen oder Organisationen. Oft fehlt aber jemand, der die richtigen Akteurinnen und Akteure zusammenbringt, Synergien erkennt und Vorhaben bis zur Umsetzung begleitet. Genau diese Rolle übernehmen wir.

Getragen wird die Limmatstadt AG gemeinsam von Gemeinden, Unternehmen, Verbänden und weiteren Partnern. Diese breite Abstützung über Kantonsgrenzen hinweg ist gleichzeitig eine unserer grössten Stärken.

 

Du kennst das Limmattal nicht nur aus deiner Funktion heraus, sondern auch mit persönlichem Bezug. Was siehst du in dieser Region, das von aussen möglicherweise oft noch immer unterschätzt wird?

Das Limmattal wird von vielen noch immer auf seine verkehrsgünstige Lage, Autobahnen und Durchgangsverkehr reduziert. Dabei wird oft übersehen, wie viel Dynamik, Innovationskraft und Unternehmergeist tatsächlich in dieser Region stecken.

Mich beeindruckt weniger das, was man auf den ersten Blick sieht, sondern vielmehr die Haltung der Menschen. Hinter den Kulissen treffe ich täglich auf Persönlichkeiten, die ihre Region aktiv mitgestalten wollen. Dieses Engagement und diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit machen das Limmattal für mich besonders, und genau das wird von aussen oft unterschätzt.

 

Du kommst aus dem Standortmarketing, Event Business und Tourismusumfeld. Was ist aus deiner Sicht der Unterschied zwischen einer Region, die gut gelegen ist, und einer Region, die wirklich Profil und Strahlkraft entwickelt?  

Eine gute Lage kann man nicht beeinflussen. Profil hingegen entsteht durch Zusammenarbeit, Haltung und Identität. Eine Region entwickelt Strahlkraft dann, wenn sie weiss, wofür sie stehen möchte, wenn sie ihre Stärken sichtbar macht und Menschen diese auch erleben können.

Genau deshalb sind Begegnungen, Netzwerke und gemeinsame Projekte so wichtig. Sie schaffen Identifikation, und Identifikation ist letztlich viel nachhaltiger als jede Imagekampagne.

 

Wenn du die Aufgabe der Limmatstadt für unsere Leserschaft in einem Satz beschreiben müsstest: Worin liegt euer konkreter Mehrwert für die Region?

Wir bringen Menschen, Ideen und Organisationen zusammen, damit aus regionalem Potenzial konkrete Projekte mit nachhaltiger Wirkung für alle Beteiligten entstehen.

 

2024 stand die Limmatstadt an einem Punkt, an dem öffentlich sogar die Existenzfrage gestellt wurde. Was hat diese Phase in Wahrheit sichtbar gemacht?

Rückblickend war diese Phase vor allem eine Chance. Sie hat uns gezwungen, ehrlich hinzuschauen und die Frage zu stellen, welche Rolle die Limmatstadt AG künftig tatsächlich übernehmen soll. Gleichzeitig hat sie deutlich gemacht, dass regionale Standortförderung dann erfolgreich ist, wenn ihr Auftrag klar ist, ihre Wirkung nachvollziehbar wird und die Akteur:innen eine gemeinsame Vision verfolgen.

Wir haben diese Phase genutzt, um unsere Rolle kritisch zu hinterfragen und unseren Fokus zu schärfen. Dabei wurde deutlich, dass regionale Standortförderung nicht möglichst viele Aufgaben übernehmen muss. Entscheidend ist vielmehr, dort Verantwortung zu übernehmen, wo Zusammenarbeit einen echten Mehrwert schafft und Themen gemeinsam wirkungsvoller vorangebracht werden können als im Alleingang.
Diese Erkenntnis prägt unsere Arbeit bis heute.  

Heute verstehen wir uns nicht mehr als Organisation, die möglichst vieles selbst macht, sondern als Plattform, die Menschen, Ideen und Organisationen zusammenbringt und sich auf jene Themen konzentriert, bei denen wir die grösste Wirkung für das Limmattal entfalten können.

 

War das rückblickend vor allem ein Finanzierungsproblem, ein Relevanzproblem oder ein Zeichen dafür, dass regionale Standortförderung ihren Nutzen zu oft zu wenig konkret erklärt?

Ich glaube, es war keines dieser Themen isoliert, vielmehr waren sie eng miteinander verknüpft.

Eine Organisation kann langfristig nur dann erfolgreich finanziert werden, wenn ihr Nutzen für die Anspruchsgruppen klar erkennbar ist. Und genau das war der entscheidende Punkt. Die Limmatstadt AG hat in der Vergangenheit vieles gemacht, aber nicht immer war ausreichend klar, wofür sie eigentlich stehen soll und welchen konkreten Mehrwert sie für die Region schafft.

Deshalb haben wir nicht einfach über Finanzierung gesprochen, sondern zuerst unseren Auftrag hinterfragt. Im Austausch mit Gemeinden, Wirtschaft und weiteren Partnern haben wir definiert, wo regionale Standortförderung tatsächlich einen Unterschied machen kann, nämlich dort, wo Themen Gemeinde- und Kantonsgrenzen überschreiten und nur gemeinsam gelöst werden können. Erst mit diesem geschärften Profil konnte auch die Diskussion über Finanzierung auf eine neue Grundlage gestellt werden.

 

Du hast die operative Führung in einer Phase übernommen, in der vieles neu sortiert werden musste. Was war dein erster Fokus: stabilisieren, schärfen oder neu denken?

Eigentlich alles gleichzeitig, aber in der richtigen Reihenfolge. Zuerst ging es darum, zuzuhören und Vertrauen aufzubauen. Anschliessend haben wir gemeinsam mit unseren Anspruchsgruppen unsere Rolle geschärft und daraus eine neue Strategie entwickelt. Heute konzentrieren wir uns bewusst auf Projekte, bei denen wir als regionale Standortförderung den grössten Mehrwert schaffen können.

 


Heute ist die Limmatstadt AG neu ausgerichtet. Aber was heisst das ganz konkret bei der Finanzierung: Ist die Organisation heute nachhaltig aufgestellt oder vor allem besser abgestützt als zuvor?

Wir sind heute deutlich breiter und stabiler abgestützt als noch vor zwei Jahren. Das war eines der wichtigsten Ziele der Neuausrichtung.

Gleichzeitig wäre es nicht seriös zu behaupten, dass regionale Standortförderung irgendwann «fertig finanziert» ist. Unsere Aufgabe besteht darin, kontinuierlich Mehrwert zu schaffen und diesen auch sichtbar zu machen. Dafür benötigt es finanzielle und personelle Ressourcen.  

Ich bin überzeugt, dass genau darin die Nachhaltigkeit liegt: Wenn Gemeinden, Unternehmen und Partner erkennen, dass aus der Zusammenarbeit konkrete Projekte entstehen, wächst auch die Bereitschaft, diese langfristig mitzutragen.

 

Wer sollte regionale Sichtbarkeit deiner Meinung nach finanzieren: primär die öffentliche Hand, die Wirtschaft oder nur ein tragfähiges Zusammenspiel von beidem?

Ganz klar beides. Eine starke Region nützt allen: der Bevölkerung, den Gemeinden und der Wirtschaft. Deshalb sollte auch die Verantwortung gemeinsam getragen werden. Gerade diese partnerschaftliche Finanzierung macht regionale Standortförderung glaubwürdig und unabhängig.

 

Wenn Gemeinden, Partner und Unternehmen investieren, erwarten sie Wirkung. Woran misst du den Erfolg der Limmatstadt heute ganz konkret?

Natürlich beobachten wir klassische Kennzahlen wie neue Mitglieder, Projekte oder Partnerschaften. Diese allein sagen aber noch wenig über unsere Wirkung aus.

Für mich beginnt Erfolg dort, wo aus Vernetzung gemeinsames Handeln entsteht. Wenn Gemeinden gemeinsam Projekte entwickeln, Unternehmen sich aktiv einbringen oder wir Themen wie Berufsbildung oder Innovation regional voranbringen können, dann zeigt sich der eigentliche Nutzen unserer Arbeit.

Regionale Standortförderung lässt sich deshalb nicht nur in Zahlen messen, sondern vor allem daran, ob wir Entwicklungen anstossen und umsetzen, die ohne diese Zusammenarbeit kaum entstanden wären.

 


Das Limmattal hat wirtschaftlich enorm an Bedeutung gewonnen. Trotzdem ist die emotionale Wahrnehmung oft kleiner als die tatsächliche Relevanz. Warum ist das so?

Das Limmattal hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt, wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich. Trotzdem wird die Region von vielen noch immer durch alte Bilder geprägt: Autobahnen, Industrie oder Durchgangsverkehr. Dieses Bild wird der heutigen Realität längst nicht mehr gerecht.
Gleichzeitig fehlt dem Limmattal historisch etwas, das viele andere Regionen über Jahre aufgebaut haben: eine gemeinsame regionale Identität. Das ist auch nachvollziehbar. Das Limmattal erstreckt sich über zwei Kantone und viele Gemeinden mit ihren eigenen Geschichten und Identitäten. Genau darin liegt aber auch eine grosse Chance.

Unser Ziel ist deshalb nicht nur, die wirtschaftlichen Stärken des Limmattals sichtbar zu machen, sondern auch das Bewusstsein für die Qualitäten unserer Region zu stärken. Wir möchten dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung, Arbeitnehmende und Unternehmen mit dem Limmattal identifizieren und einen gewissen Stolz für ihre Region entwickeln. Denn wer stolz auf seine Region ist, erzählt ihre Geschichte weiter, engagiert sich für sie und trägt dazu bei, dass das Limmattal auch von aussen positiv wahrgenommen wird.

Eine Region wird nicht allein dadurch stark, dass sie wirtschaftlich erfolgreich ist. Sie wird dann stark, wenn Menschen, Unternehmen, Gemeinden und Organisationen sich als Teil einer gemeinsamen Region verstehen und Verantwortung für ihre gemeinsame Zukunft übernehmen. Genau dazu möchten wir als Limmatstadt AG einen Beitrag leisten.

 

Wie schafft man es, dass eine Region nicht nur funktioniert, sondern auch begehrlich wird. Für Unternehmen, Talente, Veranstalter und Gäste?

Eine Region wird dann begehrlich, wenn sie ihre Stärken nicht isoliert entwickelt, sondern als Gesamterlebnis erlebbar macht. Unternehmen entscheiden sich heute nicht mehr allein aufgrund guter Rahmenbedingungen. Sie möchten Teil eines innovativen Ökosystems sein. Talente achten auf Lebensqualität, Vernetzung und Entwicklungsmöglichkeiten. Und Veranstalter suchen Orte mit Charakter, guter Infrastruktur und einem engagierten Umfeld.

Genau deshalb braucht es das Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure. Gemeinden, Unternehmen, Kultur, Bildungsinstitutionen und Veranstaltungsorte leisten alle ihren Beitrag zur Attraktivität einer Region. Entscheidend ist, dass diese Stärken nicht nebeneinander bestehen, sondern als Ganzes wahrgenommen werden.  

Die Aufgabe einer regionalen Standortförderung besteht darin, diese Potenziale zu vernetzen und daraus ein stimmiges Gesamtbild zu entwickeln. Denn eine Region wird nicht deshalb attraktiv, weil sie alles bietet, sondern weil sie ihre Stärken glaubwürdig bündelt und gemeinsam weiterentwickelt.

 

Gibt es aus deiner Sicht im Limmattal noch immer ein Imageproblem oder eher ein Übersetzungsproblem zwischen Realität und Wahrnehmung?

Ich würde eher von einem Übersetzungsproblem sprechen. Das Limmattal muss sich nicht neu erfinden. Die Region hat bereits heute unglaublich viel zu bieten. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, diese Vielfalt verständlich und als Ganzes nach aussen zu tragen.  

Das Limmattal ist kein einzelner Ort mit einem Wahrzeichen oder einer klar abgegrenzten Identität. Es ist eine Region mit vielen starken Gemeinden, innovativen Unternehmen und engagierten Akteurinnen und Akteuren. Diese Vielfalt ist eine grosse Stärke, macht die Positionierung aber auch anspruchsvoller.

Genau deshalb braucht es eine Organisation, die diese verschiedenen Geschichten miteinander verbindet und den gemeinsamen Nenner sichtbar macht. Denn erst wenn aus vielen guten Einzelgeschichten eine gemeinsame Erzählung entsteht, wird auch das Bild der Region nach aussen klarer.

 


Für unsere Branche ist besonders spannend: Welche Rolle spielen Events aus deiner Sicht für die Sichtbarkeit und Positionierung einer Region?

Events sind weit mehr als einzelne Veranstaltungen, sie sind Begegnungsräume. Sie bringen Menschen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur zusammen, schaffen neue Kontakte und machen eine Region erlebbar. Genau dort entstehen oft Ideen, Kooperationen und Projekte, die später eine nachhaltige Wirkung entfalten.

Für mich sind gute Events deshalb weit mehr als ein schöner Abend. Sie schaffen Begegnungen, aus denen Ideen entstehen, Partnerschaften wachsen und langfristig eine stärkere Region entsteht.

 

Kann ein starker Eventort wie JED Events für die Wahrnehmung des Limmattals mehr leisten als manche klassische Imagekampagne?

Absolut. Ein Ort wie JED Events bringt Unternehmen, Fachpersonen und Gäste direkt ins Limmattal. Sie erleben die Region selbst und genau das prägt Wahrnehmung viel nachhaltiger als reine Kommunikation. Solche Orte werden zu Botschaftern einer Region.

 

JED Events bringt Marken, Unternehmen, Entscheidungsträger und Gäste nach Schlieren. Wo siehst du konkretes Potenzial in einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen regionaler Standortförderung und privaten Eventlocations wie dem JED?

Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass Veranstaltungen zu regionalen Zukunftsthemen bewusst im JED stattfinden, Unternehmen aus unserem Netzwerk mit Innovationsformaten zusammengebracht werden oder neue Plattformen entstehen, auf denen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Start-ups miteinander ins Gespräch kommen. Solche Formate stärken nicht nur die Vernetzung, sondern machen gleichzeitig sichtbar, wofür das Limmattal steht.

Unsere Aufgabe als regionale Standortförderung ist es nicht, jeden Anlass selbst zu organisieren. Unsere Aufgabe ist es, die richtigen Partner zusammenzubringen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit gemeinsam Formate entstehen können, die das Limmattal als innovative Region erlebbar machen und gleichzeitig einen echten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.

 

Und zum Schluss ganz persönlich:

Bitte vervollständige den Satz: «Das Limmattal ist für mich …»

Das Limmattal ist für mich Heimat, in der Menschen mit Vielfalt, Tatkraft und Zusammenarbeit Zukunft gestalten.

Stell dir vor, du dürftest einen Event ganz ohne Budgetgrenzen gestalten. Wie würde der aussehen, worum würde es gehen und wen würdest du dazu einladen?

Ich würde einen mehrtägigen Zukunftscampus für das gesamte Limmattal organisieren.

Unternehmen, Start-ups, Schulen, Hochschulen, Gemeinden, Kultur, Politik und Bevölkerung würden gemeinsam an den Zukunftsthemen unserer Region arbeiten, mit Vorträgen, Workshops, Innovation Labs, Ausstellungen und kulturellen Formaten.

Nicht als klassische Konferenz, sondern als Ort der Begegnung und Inspiration, an dem neue Partnerschaften, Zukunftsvisionen und Projekte entstehen.

Hast du einen persönlichen Lieblingsort im Limmattal, an dem du Kraft tankst und Inspiration findest?

Mit meinem Hund bin ich oft entlang der Limmat oder in den Wäldern des Limmattals unterwegs. Dort finde ich Ruhe und tanke Kraft. Für mich zeigt sich gerade an diesen Orten, wie vielfältig das Limmattal ist. Eine Region, die wirtschaftliche Dynamik und wertvolle Naherholungsräume auf einzigartige Weise verbindet.

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